Playboy ist keine gottfreie Zone

Vor kurzem gab Noor Tagouri, eine Journalistin aus den USA, dem Magazin Playboy ein Interview. Dafür wurde sie auch fotografiert. Bis jetzt klingt alles normal. Allerdings gab es hier einen Punkt, der viele aufgeregt hat: Sie trägt ein Kopftuch.

Die Tatsache, dass eine Muslima mit Kopftuch auf den Seiten des Playboys zu sehen ist, war für viele Fatwaboys und -girls inakzeptabel und wurde von vielen Muslimen heftig kritisiert. Die meisten Argumente drehen sich um zwei Punkte: a) Playboy steht für ein menschenverachtendes Magazin. b) Eine Muslima hat im Playboy nichts zu suchen. Sie schadet damit dem „Image“ der Musliminnen und des Kopftuchs. Über diese zwei Argumente möchte hier einiges sagen.

Playboy Leser sind auch Menschen

Eines steht fest: Die Leser und ja, auch die Mitarbeiter von Playboy sind Menschen. Es ist erstaunlich, wie viele Muslime heute in Schubladen denken. Eine Person, die große Sünden oder Fehler begeht, wird schon hier auf Erden verdammt, unbewusst dämonisiert und ihr werden automatisch jegliche gute Eigenschaften abgesprochen. Wer steht von uns nachts auf und betet für diejenigen, die er für Verbrecher hält? Warum denn auch, ächten und hassen ist ja leichter.

Ich frage mich, was ist schlimmer? Ein Magazin wie Playboy oder ein Ort, wo die Götzen angebetet wurden? Wenn man den Koran und das Wirken des Propheten ﷺ ernst nimmt, dann lautet die Antwort: Ein Ort, wo man Götzen anbetet, ist schlimmer. Und trotzdem war der Prophet ﷺ in jenen Orten und hat den Kontakt zu jenen Menschen dort gesucht. Er ﷺ hatte nie die Hoffnung verloren, dass ein Mensch, der früher schlimme Dinge getan hat, eines Tages eine bessere Person wird. Der Prophet war kein Dialektiker. Wäre er wie manche Muslime heute, dann wäre vielleicht kein Mensch Muslim geworden.

Playboy ist böse, also als Muslim soll ich mit denen nichts zu tun haben.

So denkt der moderne ideologisierte Muslim. Nur mit den guten soll man interagieren. Von Weisheit ist nichts zu spüren. Warum soll man nicht anders denken und zwar positiv? Das Interview von Noor Tagouri könnte viele Leser erreichen. Man kann durch dieses Interview positive Gedanken und Ideen vermitteln. Wir vergessen oft, dass gerade die kleinen, für unsere Augen unbedeutenden, Gesten manchmal große Wirkung auf das Leben der Menschen haben.

Es gab in der Vergangenheit Sufis, die auch zu den Bordellen und Tavernen gingen und auch dort von Gott erzählt haben.

Repräsentiert Noor Tagouri die Musliminnen?

Dann kommt eine weitere moderne Krankheit: Die Repräsentation. Nein Noor Tagouri repräsentiert weder die Musliminnen noch den Islam. Denn keiner repräsentiert die Muslime als einzelne Subjekte oder gar den Islam. Das sind für mich absurde Vorstellungen. Was heißt hier überhaupt repräsentieren? Dass man denkt, dass die eigenen Handlungen mit einem anderen Subjekt zu tun haben? So eine Vorstellung grenzt beinahe an metaphysischen Wahnsinn.

Sie oder sonst wer ist lediglich für seine eigene Handlung verantwortlich. Auch hier zeigt sich, wie manche Muslime heute brav einige Denkmechanismen übernommen haben, die nicht nur falsch sind, sondern in ihrem Kern den Grundsätzen des Islams widersprechen.

Aber es gibt hier so eine tricksy Geschichte. Viele erlauben sich, über das Verhalten anderer, in unserem Beispiel von Noor Tagouri, zu urteilen, weil sie ja, ihrer Meinung nach, nicht nur für sich selbst handelt, sondern auch im Namen aller Frauen, die man einer imaginären Gruppe, wie z. B. den „Hijabis“, zuordnet.

Das heißt, die Kritiker gehen her, suchen eine Gemeinsamkeit mit der Kritikperson, schaffen dann eine Kategorie, in welche sie sich selbst und die Kritikperson schmeißen und dann kritisieren sie diese Person deswegen, weil sie diese Kategorie in den Dreck zieht. Wenn so ein Wahnsinn richtig ist, dann weiß ich selber nicht mehr.

Manche wollen die Tradition verteidigen und sehen dabei nicht ein, dass sie bis zum Hals im Sumpf moderner Ideologien und Denkansätze stecken, die genug Unheil auf die Menschen gebracht haben.